Lügenpresse

von Dirk Kranefuss

 

 

Das Wort nehme ich nicht in den Mund, aber jetzt schreibe ich es. Weil ich verärgert bin:

 

Das war der beste AfD-Parteitag, den ich bisher mitgemacht habe. Ich war erleichtert und hoffte, dass mit den neugewählten Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel endlich Schluss sein wird mit dem Schlechtschreiben. Denn Alexander Gauland, mit seinen 40 Jahren CDU und einst Leiter der Hessischen Staatskanzlei kann ja nun schwerlich Nazi sein, zumindest nicht so schnell werden, obwohl ihn die Berliner Zeitung mit seinem Tweed Sakko und Hundeschlips schon niedermachte.. http://www.berliner-zeitung.de/politik/afd-vize-im-portraet-alexander-gauland---der-scheinbar-serioese-herr-im-gruenen-tweed-24469758

 

Und Alice Weidel, die junge Unternehmensberaterin, dazu noch gutaussehend und nicht auf den Mund gefallen, könnte erst recht nicht gemobbt werden. Aber da habe ich mich geirrt. Kurz nach der Wahl stotterte sie sichtlich bei der Pressefrage, wieso die AfD auf einmal ein linkes Programm verabschieden würde, wie das denn zur rechten Einstellung der Partei passen würde? Und schon einen Tag später textete die Rheinische Post (RP) „Wirtschaftsliberal, islamfeindlich, lesbisch“.

 

Islamfeindlich, weil Alice Weidel gesagt hat, der Islam sei für sie eine archaische Kultur und deutschtürkische Erdogan-Wähler sollten besser in die Türkei zurückgehen, weil ihr Demokratieverständnis nicht nach Deutschland passe. All das hatte die RP zwar Tage zuvor auch geschrieben, würde sich selbst aber nie als islamfeindlich bezeichnen. Und jemanden gleich in der Überschrift als lesbisch zu outen, hätte sich die RP bei der SPD, CDU und den Grünen nie getraut, denn das hat mit Politik wenig zu tun. Hier aber kam es gerade recht, denn Lesben und AfD Familienbild passen ja nun gar nicht zusammen. Schon deshalb nicht, weil das nicht zur Ecke passt, in die die AfD ständig hineingeschrieben wird. So kann sie eben auch nicht wirtschaftsliberal sein; das gerät der RP fast zum Schimpfwort, bei einer Hayek-Anhängerin mit 6 Jahren China-Erfahrung, die weniger Sozialismus und mehr Demokratie will. Denn eigentlich ist sie radikal, sagt die Redakteurin und hat damit endgültig das Urteil ihrer Unwählbarkeit gefällt.

 

Da spielt es schon fast keine Rolle mehr, dass die RP- Redakteurin mit dem Recherchezentrum Correctiv zusammenarbeitet, das Heiko Maas mit seinem „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ unterstützt. Das wiederum wird als Anfang vom Ende der Meinungsfreiheit kritisiert, unter anderem vom Präsidenten des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (http://www.zeit.de/digital/internet/2017-03/heiko-maas-gesetzentwurf-soziale-netzwerke-hass-falschnachrichten/komplettansicht)

 

Da stört sich Maas nicht daran, dass die Leiterin des Recherchezentrums, Anetta Kahane, frühere Stasi-Mitarbeiterin war. Eher scheint sie das zu qualifizieren (https://einprozent.de/correctiv-das-zensurwerkzeug-der-elite/).

 

Aber zurück zur neuen Bundesspitze Gauland, Weidel. Sie wurden wie frischer Sekt nach gewonnenem Formel 1 Rennen auf dem Parteitag bejubelt. Endlich würde die Partei von der Öffentlichkeit in der bürgerlichen Mitte wahrgenommen, vom angedichteten rechten Mief befreit.

 

Pustekuchen, nichts da. Die Berichterstattung am Sonntag, 23. April gleich Null. Ein Tag später, dürre Nachrichten in der RP und Kommentar über die Demütigung von Petry. Noch nicht einmal ein Fragezeichen angesichts eines völlig aus dem Ruder gelaufenen Köln mit SPD, Gewerkschaften, Kirchen, Karneval, Liedermachern und Künstlern, die kein Problem darin sahen, mit dem Schwarzen Block gemeinsam zu demonstrieren, verfassungsfeindlichen linksextremen Gewalttätern. Kein Wort darüber, dass die Demo ein teurer Flop war und der Demokratie neben Handel und Wirtschaft massiven Schaden zugefügt hat.

 

Die FAZ konnte die AfD auch nur als Titanic am Rhein niederschreiben und als gefühllos, weil sie ihrer Vorsitzenden eine Niederlage nach der anderen zugefügt hätte und trotzdem hoffen, dass das alles folgenlos bleiben würde. Die FAZ war wohl in der falschen Veranstaltung, denn nicht die Versammlung hatte diesen Weg vorprogrammiert, sondern Frauke Petry selbst und trotzdem kriegte sie am Anfang so viel Beifall, dass es ihr schon fast peinlich war. Und der Beifall wiederholte sich am Ende tosend, als Gauland sie ausdrücklich als Teil der Führungsmannschaft einlud. Diese Einigkeit war wohl selbst der FAZ zuviel. Denn keiner kennt die AfD so gut wie Justus Bender, darum konnte er seinem Buch nicht widersprechen, das ein Happy End nicht vorsieht. Und da verwundert es auch nicht, dass über hochseriöse Leute, die in der AfD mitarbeiten, gar nicht berichtet wird. Der schwarze Betriebswirtschaftsprofessor Harald Weyel aus Köln zum Beispiel, der auf der NRW Bundestagsliste auf den 3. Platz gewählt wurde. Oder der Philosoph Marc Jongen, der mit Peter Sloterdijk zusammenarbeitet und am letzten Wochenende sehr aktiv am Programm mitwirkte. Keiner will hören, dass die AfD in der bürgerlichen Mitte steht, sonst hätte sie nicht gleichermaßen Zulauf von den Linken über Grüne, FDP und CDU bis zu den Rechten.

 

Da sich das Feindbild durch BILD, WELT, TAZ, WZ durchzieht (bis auf die Junge Freiheit und Internetjournale wie Tichy´s Einblick und Achgut), mehren sich die Indizien, dass die Verfilzung zur Politik so hoch ist, dass die Journalisten da nicht mehr rauskommen (ARD und ZDF sowieso). Entweder sie liefern, oder sind weg vom Fenster, werden nicht mehr nach China mitgenommen oder gar nicht mehr eingeladen. Das aber können sich die Zeitungen nicht leisten. Auch ihnen steht das Wasser durch neue Medien im Internet bis zum Hals, dass sie die Nähe dringend wegen der Informationen aus erster Hand brauchen.

 

Mal schauen, ob die AfD da durchkommt oder als Ketzer am Galgen endet.